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Als das Mannheimer Eisstadions im Jahr 1938 im
Friedrichspark in Betrieb ging, gab es auch bald Aktivitäten im Eis- und
wohl auch im Rollschnelllaufen. Außer den Namen Hansi Schneiders und H.
Rapp sind aber leider dem Verfasser nur vage Berichte zur Kenntnis
gelangt, etwas Genaues war bis dato leider nicht in Erfahrung zu bringen.
Mitte der 50er kam dann mal eine Gruppe Schnellläufer aus Köln, der
damaligen deutschen Schnelllauf-Hochburg, zu einer Vorstellung in einer
Eishockeypause. Aber diese Aktion fiel leider dichtem Nebel zum Opfer und
dann tat sich lange Zeit Nichts, wenn man von der Raserei einiger
Halbstarker im öffentlichen Lauf einmal absieht.
Als diese Raserei der Unverbesserlichern im öffentlichen
Lauf aber zu arg wurde, beauftragte man Karl Ostertag, eine
Schnelllaufabteilung zu gründen und damit den öffentlichen Lauf wieder
zu befrieden. Das gelang dann überraschend gut, schnell und erfolgreich.
Man holte, im Januar 1960, den
damaligen deutschen Schnelllauf-Obmann, Herrn Alfons Fritz +, und einen
sehr guten Läufer, beide aus München . Und die beiden zeigten uns dann,
in einem Kurzlehrgang, abends nach einem Eishockeyspiel, wie man startet,
läuft und die Schlittschuhe schleift. Letzteres etwas sehr oberflächlich
und so gingen unsere ersten diesbezüglichen Versuche fehl, wir lagen mehr
auf dem Eis als dass wir liefen, klar ohne Schliff! Unsere neuen
Schlittschuhe, für DM 60,00 bei Juwelier Widmeier in München gekauft,
versah uns Herr Hellmann, der damals die Schleiferei im Eisstadion
betrieb, mit einem Hohlschliff und dann ging es zur Sache. Schon zwei
Wochen nach dem Kurz-Lehrgang rannten wir, ca. 12 Läufer/Innen um die
erste Meisterschaft des Eissportverbandes Baden-Pfalz, wie es damals noch
hieß. Immerhin liefen wir gleich alle 4 Strecken des kleinen Vierkampfes
und es waren ganz passable Zeiten. Und drei Wochen danach, am 6. März
1960, brachten wir die erste Medaille (Bronze, Karl Merdes/Hager) und
Platz 5 (Fred Frank) mit nach Mannheim, von den Deutschen
Kleinbahn-Meisterschaften auf der 200m-Bahn in Berlin-Neukölln. Der Fred
lief da noch mit Hohlschliff. Und unsere Ergebnisse waren eine kleine
Sensation, war es doch unser erstes richtiges Eisschnelllaufen, das wir da
sahen und bei dem wir starteten.
Und mit den Erfolgen ging das über all die
folgenden Jahre so weiter. Kaum eine Saison wurde beendet, ohne dass eine
Läuferin bzw. ein Läufer der Abteilung
irgend eine Meisterschaftsmedaille errungen hätte. Trainiert
wurde, wenn es ging, kurz vor den jeweiligen Meisterschaften auf dem
Frillensee und später im Inzeller Eisstadion, jeweils ein paar Tage.
Meist aber waren wir im heimischen Eisstadion, morgens von 7 - 10:00, bei
jedem Wetter und damals gab es noch keine Zamboni (Eismaschine). Oft
mussten wir selbst den Schnee oder das Wasser abschieben, um überhaupt
laufen zu können, auf dem Eis des Vorabends. Zu den Rennen fuhren wir überall
hin, wo sich eine finanzierbare Startgelegenheit bot und wohin wir
eingeladen wurden, egal ob es die 400m-Bahn auf dem Frillensee oder später
unten in Inzell, die 247m-Bahnen in Basel und Zürich, die 200m-Bahnen in
Berlin, Hamburg und Frankfurt waren. Auf unserem eigenen Terrain, dem
Eishockeyfeld, waren wir nahezu unschlagbar. Da wurden
zweier-Mannschaftsrennen über 30-50 Runden, Massenstartrennen, mit
6-8 Läufern und natürlich auch Einzelrennen, mit gegenüberliegendem
Start auf Zeit, gelaufen. Die Bahn war zuerst 133m und dann 125m lang,
Bandenschutz, Helme oder sonstige Schutzausrüstung gab es nicht. Und
langsam und zärtlich ging es auch nicht zu, die 500m waren nur mit Zeiten
um 51-52 sek. zu gewinnen und meine beste 3000m war immerhin 5:18. Alles
mit den gleichen Großbahnschuhen mit denen wir einige Tage später auf
der Großbahn liefen. Unvergesslich bleiben die Duelle mit den Läufer/Innen
aus Basel, Berlin, Darmstadt, Eschollbrücken, Frankfurt, Genf, Groß-Gerau,
Köln, Ludwigshafen, Mainz, München, Oberstdorf, Sonthofen u. Zürich.
Auch aus Belgien, Österreich, (aus Italien ein Läufer), kamen viele
Clubs, mit sehr starken u. erfolgreichen Teams zu unseren Internat. Rennen
im Friedrichspark, die wir einige Male mit großem Erfolg durchführten.
Der Bahnrekord über 500m auf der 125m-Bahn, gelaufen allerdings mit SHORT
TRACK -Schuhen!, von David Davids aus Brüssel, besteht heute noch, mit
47,80.
Wir liefen auch 10 Jahre lang, bis 1980, um die
Stadtmeisterschaften von Mannheim, woran natürlich die Pfälzer und die
Hessen immer teilnahmen, wie auch wir bei deren Meisterschaften in
Frankfurt, Mainz, Kaiserslautern oder Ludwigshafen mitmachten. Da kamen
oft Teilnehmerfelder mit 40-50 Läufer/Innen zusammen, vor allem auch bei
den, bis zu 15 Trainingsläufen je Saison oder den Rennen um den
Pfaadt-Pokal. Das ging ab 7:00 rund, jeder mindestens mit zwei Läufen und
wer stürzte durfte nochmals laufen. Um 10:00 war pünktlich der Spaß zu
Ende, wie schon gesagt: mit Matten bewegen und Eisbereitung hatten wir
keine Zeitverluste. Die großen Teilnehmerfelder jener Zeit brachen dann
plötzlich zusammen, als man seitens der DESG (Sporthilfe) alle Aktiven,
die weiter als 50km von einer 400m-Bahn entfernt wohnten, aus der Förderung
nahm. Sehr viele große Talente haben damals, aus Verärgerung und ohne
Hoffnung auf Weiterkommen, aufgehört und auch bei unseren Rennen wurden
die Teilnehmerfelder kleiner.
Mit der Eröffnung des Leistungszentrum - Eissport am
Neuen Meßplatz, für uns am 1. Dez. 1981, bekamen wir dann endlich die
langersehnte und notwendige Verbesserung unserer Trainingsmöglichkeiten.
Aber die erste große Freude verflog bald, erstens hatten wir deutlich
weniger Trainingszeiten und zweitens war die 200m-Bahn bereits am 25.
Dezember so defekt, dass wir nicht mehr darauf laufen konnten. So machten wir eben auf der SHORT TRACK-Bahn weiter, bis wir
endlich im Winter 83 regelmäßig auf der 200m-Bahn laufen konnten,
parallel zum SHORT TRACK Training. In allen Alters- und Leistungsklassen
gemeinsam, woran sich bis dato nichts geändert hat.
Aber, dass das EZH, wie es nach dem Wiederaufbau genannt wird, für
uns eine große Verbesserung darstellt, daran besteht kein Zweifel, die
200m-Bahn erspart uns die zeit- und geldintensiven Fahrten und Aufenthalte
zu den Großbahnen, auch wenn es nicht ganz die Lauftechnik, die dort,
hauptsächlich auf den Geraden, doch etwas anders ist, ersetzen kann. Auch
der Kraftraum, die sauberen Umkleideräume, bessere Eisverhältnisse und
vor allem die fast idealen Bedingungen für die Durchführung von Wettkämpfen
halfen mit, unsere Abteilung zu stabilisieren. In solchem Zusammenhang
Namen zu nennen ist immer sehr riskant und hier auch nicht gut möglich,
aus Platzgründen aber die Aktiven der Gründerzeit möchte ich doch in
Erinnerung rufen:
Der 1. Obmann war, wie schon angemerkt, Karl Ostertag,
er musste dann aus beruflichen Gründen das Amt, 1966, an Karl
Merdes abgeben. Die Aktiven der 1. Stunde waren Gudrun Brecht, Ellen
Hauss, Roswitha Rettig, Julia Urban, Anemie Walz, Alfred Frank, Karl
Merdes (Hager), Rolf Kerz, Theo Kesy, Heinz Navratil, Eberhard Peschel,
Wilfried Schutz u. Rolf Saalmüller. Schon möglich, dass hier einige
fehlen, sie, oder jemand der sie kennt, sollen sich bei mir melden, zur
Vervollständigung. Dann folgten viele, viele die mit uns trainierten und
Wettkämpfe bestritten und die dann mehr oder weniger lange bei uns
blieben. Einige davon, und erfreulicherweise auch bereits ihre Kinder,
sind ja auch immer noch dabei, aber sie alle hier zu nennen würde den
Rahmen sprengen, es wird aber bei anderer Gelegenheit, bald, nachgeholt.
Stellvertretend für alle möchte ich aber an unser aller Freund und
Vorbild erinnern: Herrn Dr. Otto-Karl Merckel, der im bereits hohen Alter
zu uns kam und von 1970 bis 1981 bei fast jedem Training und Testrennen
dabei war. Es war ihm krankheitshalber leider mehr nicht vergönnt die
neue Zeit im LZE mitzuerleben.
In den 80ern tat sich dann, beinahe über Nacht, sehr viel
im Eisschnelllaufen der damaligen BRD. In Frankfurt, Berlin, München und
Grefrath wurden 400m-Bahnen gebaut und wir waren auch dort von Anfang an
mit von der Partie. Aber für uns richtungweisend war dann die 1.
Weltmeisterschaft im SHORT TRACK- Eisschnelllaufen, 1981 in Paris, Meudon
la Foret. Gundi Gramminger und Karl Hager, beide mit der Startnummerr -1-
und die Mainzerin Katja Kowalk durften die deutschen Interessen vertreten
und zogen sich ganz achtbar aus der Affäre. Damit waren die Weichen
gestellt.
Bereits 1983 richteten wir in Mannheim die 1. Deutsche
Meisterschaft im SHORT TRACK aus und es folgten noch (mit Herrischried) vier weitere Meisterschaften der Damen und
Herren und zwei für die Junior/Innen sowie ein Länderkampf 1997. Eine
starke Beeinträchtigung
unserer Aufbauarbeit war der Brand des LZE im Dez. 1988, bei dem es
bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Vorher hatten wir 5mal Internat.
Wettkämpfe durchgeführt, mit Aktiven aus ganz Europa und sogar
Australien, die von unseren Veranstaltungen heute noch achtungsvoll
sprechen. Wir werden immer wieder danach gefragt ob das eine Fortsetzung
findet. Das war leider nicht gut machbar. Nach dem Wiederaufbau und der
Neueröffnung des Leistungszentrums (nun EZH) im Jahr 1993 wurden in der
DESG erfreulicherweise die LIGA-Rennen für die Junior/Innen und dem
Deutschland-Pokal für die Damen u. Herren installiert. Wir haben seitdem
in jeder Saison einen derartigen Wettkampf in Mannheim ausgerichtet und
beim Aufbau dieser Rennserie in anderen Vereinen, vor allem auch in den
neuen Bundesländern maßgebend mitgewirkt. So blieb zeitlich und auch
finanziell kein Raum für weitere Wettkämpfe.
Auch für den SHORT TRACK - Bereich nur einige Namen, die
für hervorragende Leistungen stehen: Gundi Pawasserat,
Jörg Wagner, Karl Hager, Rolf Merdes, Torsten Back, Swetlana Prislegina
und Nina Herz erliefen viele Deutsche Meistertitel und Medaillen und
starteten bei Europa- und Weltmeisterschaften, sowie in den Nationalteams
bei vielen Länderkämpfen.
Erwähnenswert auch die Tätigkeit auf Funktionärsebene;
war seit Anfang Karl Hager als Stellvertreter des SHORT TRACK- Wartes und
als nationaler und internationaler Kampfrichter aktiv, kamen dann später
Frau Sabine Poß und Frau Dr. Christel Petzschke dazu, wobei Letztgenannte
sogar zu Europa- und Weltmeisterschaften als Competitor-Stewardess berufen
wurde und uns dort hervorragend vertritt.
Das Laufen auf den Großbahnen haben wir aber nicht
vergessen oder verlernt. In den nun ca. 40 Jahren haben wir auf den LONG
TRACK- Bahnen im In-und Ausland viele große Erfolge errungen, oft die
deutschen B -Meisterschaften (G. Pawasserat, J. Wagner, K. Hager) gewonnen
und später, als diese durch die Senioren-Meisterschaften ersetzt wurden,
auch bei diesen die ersten Plätze belegt. Beim Aufbau der Deutschen und
Weltmeisterschaften für die Seniorenklassen haben wir mit unserer
Teilnahme mitgeholfen, (Gundi ist Stellvertreterin des
Senioren-Referenten), und es ist für unsere Aktiven, wenn sie aus den
SHORT TRACK- Rennen herausgewachsen sind, eine schöne und sinnvolle
Weiterführung des Sports, den man bis ins hohe Alter ausüben kann. Gibt
es doch Seniorenklassen in Fünfjahresstufen bis über 80.
Unsere Abteilung bekam dann aber noch ein zweites Bein.
Seit es die guten INLINER gibt, sind wir auch auf diesen
vielversprechenden Zug aufgesprungen und mischen da auch ganz vorne mit.
So gab es durch Thomas Heider 1998 mit dem Gewinn der Deutschen
Meisterschaft im INLINER- Marathon der AK 30 ( Flensburg ) den ersten,
ganz großen Erfolg und 1999 gewann Richard Schäfer, ebenfalls in der AK
30, die DM-Titel im Marathon (Hamburg) und im Halbmarathon ( Regensburg ).
Dazu kamen viele Siege und weitere Super-Platzierungen bei anderen
INLINER- Rennen auf Bahn und Straße, auch durch den vielversprechenden,
erst 20jährigen, Stefan Sifflet, durch Petra Backofen, Dr. Rainer Kelch,
Gerd Müller und, auch hier Gundi Gramminger. Bereits selbstverständlich
ist für uns, dass wir auch in der Organisation solcher Veranstaltungen
mithelfen. So beim traditionellen „Sport & Spiel am Wasserturm“
und bei den beiden Mannheimer INLINER- Marathon 1996 u. 1997.
Karl
Hager, im Dezember 1999 |