Landesehrennadel für Karl Hager, Dezember 1997

Der Fachspartenleiter für Eisschnelllauf im Eissport-Verband Baden-Württemberg, der gleichzeitig auch Leiter dieser Sportart im Mannheimer ERC K-S und auch  2. Vorsitzender ist, erhielt am 14. Dezember 1997 die Landesehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Die Ehrung fand im Rahmen der diesjährigen Sportlerehrung der Stadt Weinheim statt. Im Namen von Ministerpräsident Erwin Teufel überreichte Oberbürgermeister der Stadt Weinheim, Herr Kleefoot, die Ehrennadel an Karl Hager. Kleefoot würdigte mit Karl Hager einen Sportler, der mit großer Vorbildfunktion für seine Schnellläufer seit vielen Jahren als Sportler, Trainer und Funktionär tätig ist.

Wir dürfen Ihnen heute seine eigenen Aufzeichnungen über das sehr umfangreiche und sehr engagierte Sportlerleben vorstellen. Dieser Bericht ist gleichzeitig ein kleiner Einblick in den Werdegang des Eisschnelllaufens in Deutschland.

Wenn Sie nachfolgend die verschiedenen sportlichen Versuche von Karl Hager lesen, so können die Eissportler wirklich froh sein, daß er - nach verschiedenen sonstigen Versuchen - bei dieser Sportart gelandet ist. Man darf hier auch gleich die Frage stellen, ob es ohne ihn in Mannheim und Baden-Württemberg überhaupt das Eisschnelllaufen als Sportart geben würde.

Karl Hager ist seit 1967 Obmann der Sparte Eisschnelllauf im Mannheimer ERC und nach der Trennung in zwei Vereine, bis heute beim Mannheimer ERC K+S. Hager betreut auch die Fachsparte Eisschnelllauf im Eissport-Verband Baden-Württemberg seit Verbandsgründung im Jahre 1972 bis zum heutigen Tage. Neben diesen Arbeiten als verantwortlicher Funktionär, ist Hager auch Trainer im Verein und internationaler Schiedsrichter und schließlich langjährige aktiver Sportler und Vorbild für seine Mannschaft.

Sport war erst einmal überhaupt kein Thema für Karl Merdes, wie er bis zu seiner Heirat hieß. In der Schule gab es wegen der Kriegszeit, außer gelegentlichen Turn- und Laufeinlagen, keine Zeit für Sport. Die Märsche und Geländeübungen bei der Hitlerjugend und vor allem die harte Arbeit daheim auf eigenen Feldern waren die einzige, vielleicht nicht mal schlechte, Körperertüchtigung.

Die ersten Schlittschuhe - Absatzreißer genannt - (gegen ein Bündel geklauten Rohtabak eingetauscht) wurden im Winter 1947/48 auf der Straße und auf dem zugefrorenen Neckar ausprobiert. Es war Liebe auf den ersten Blick, die immer noch andauert.

Im gerade wiederaufgebauten Mannheimer Eisstadion im Friedrichspark ging es in jeder freien Minute zur Sache, und 1953 dann schon als Mitglied im Mannheimer ERC, in einer von 22 bis 23 Uhr trainierten Anfängertruppe. Aber diese späten Zeiten waren zu strapaziös und so blieb es beim ersten Versuch.

Da waren dann auch das Training und einige, leidlich gute Kämpfe bei den Edinger Ringern. Ein gebrochenes Schlüsselbein machte dem dann aber ein Ende. Umsomehr, weil mittlerweile eine neue Leidenschaft entbrannte, das Radrennen. Im RV 98 Mannheim-Feudenheim ging das los, mit dem ersten Schritt auf einem uralten “Hirsch”. Da hatte Hager einmal, 1951 an einem Samstag, einen Ringkampf in Ziegelhausen (gegen den damaligen Deutschen Meister Brand), am Sonntagmorgen ein Fußballspiel mit dem FC Germania Friedrichsfeld und um dann gleich danach, mit einem Stück Kuchen als Verpflegung, zu einem 100-km-Radrennen nach Böhl zu fahren.

Aber das war dann wohl doch ein bisschen zu viel des Guten und der Fußball und das Ringen verschwanden aus dem Programm. Nicht aber das Schlittschuhlaufen im Winter, zu jeder nur möglichen Zeit. Im Radrennen reichte es immer zu guten bis zu sehr guten Erfolgen, es war halt so ein Auf und Ab.

Im Winter waren dann im Eisstadion immer solche Raser auf dem Eis. Der Stadionverwalter Bruno Guttowski hatte seine liebe Not und man beschloß, etwas dagegen zu tun. Karl Ostertag bekam den Auftrag, aus dem wilden Haufen eine Schnelllauftruppe zu formen, was er dann auch tat. Sogar der damalige Boß der Deutschen Eissschnellläufer kam aus München zur Unterstützung. Das war die Geburtsstunde des Eisschnelllaufens in Mannheim.

Eine Woche später hatten wir bereits unsere ersten Schnelllaufschuhe für 65.- DM, was damals sehr viel Geld war. Bereits zwei Wochen nach der “Schulung” wurden mit neun Läufern die ersten Rennen um die Badisch- pfälzischen Meisterschaften ausgetragen, mit bereits erstaunlich guten Zeiten. Auf dem ersten Platz landete Karl Hager vor Alfred Frank und Rolf Kerz. Die Siegerehrung wurde übrigens von Hans-Helmut Klaes, dem Ehrenvorsitzenden des Eissport-Verbandes, vorgenommen.

Drei Wochen später sahen Alfred Frank und Karl Hager zum ersten Mal ein richtiges Schnellaufrennen bei den Deutschen Kleinbahnmeisterschaften am 5. und 6. März 1960 in Berlin. Bestaunte man beim Training noch ehrfurchtsvoll die Asse, war man beim Rennen schon nicht mehr so respektvoll. Mit Platz drei über 500m und demSieg über 3000m von Karl Hager und jeweils fünften Plätzen von Alfred Frank waren die Weichen gestellt. Mit einem dritten Platz über 1500m kam Karl Hager dann in der Gesamtwertung auf Platz drei.

Man hatte mittlerweile in der Nähe von Inzell den Frillensee für das Eisschnelllaufen entdeckt. Nach Trainingslehrgängen der MERC`ler auf dem Frillensee wurden bei den dort 1961 ausgetragenen Deutschen Meisterschaften nur mittlere Plätze belegt. Das Jahr danach brachte dann für Karl Hager die Zugehörigkeit zum Nationalteam und in der Meisterklasse, sowohl auf der 400m-Bahn auf dem Frillensee als auch auf der 200m-Bahn in Berlin-Neukölln, jeweils dritte Plätze.

Im November 1962 wurde drei Wochen in Rovaniemi am Polarkreis trainiert und die letzte Meisterschaft auf dem Frillensee brachte einen 7. Platz. Im Olympiawinter stand dann die neue Natureisbahn in Inzell zur Verfügung. Dort wurde dann gemeinsam mit dem schwedischen Olympiateam trainiert. Bei der anschließenden Deutsche Meisterschaft kam Karl Hager dann auf den dritten Platz.

In Inzell wurde auch der erste Wettbewerb gegen das damalige DDR-Team zur Bildung der letzten gemeinsamen Olympiamannschaft ausgetragen. Der zweite Wettbewerb fand dann, als Eröffnung der Bahn, auf der 400m-Bahn in Berlin Hohenschönhausen statt. Karl Hager war für die 10.000m-Strecke nominiert und gegen die überragenden Läufer Günther Traub, Helmut Kuhnert und Gerd Zimmermann auf verlorenem Posten. Dafür holte Hager auf der 200m-Kleinbahn in Frankfurt einen dritten Platz über 500m und den Deutschen Meistertitel über 1.500 und 5.000m, vor Erhard Keller. Zwischendurch gab es auch mal eine Vizemeisterschaft und 1962 den Meistertitel im Straßen-Radrennen und einige ähnliche Platzierungen auf der Radrennbahn.

Dann kam auf dem Eis mit der Sporthilfe ein strengerer Kurs und die Alten (Hager war damals fünfunddreißig) flogen aus dem Nationalteam. Es gab dennoch bis heute keinen Winter, an dem er nicht mindestens an einer Deutschen Meisterschaft mitgelaufen wäre. In der B-Klasse waren das dann noch sechs Meistertitel, der letzte davon 1982 auf der damals neuen 400m-Bahn in Frankfurt. Bei den Senioren, hier meistens gegen die 20 bis 30 Jahre jüngeren startend, gab es dann auch meistens erste oder zweite Plätze bei Deutschen Meisterschaften und bei der, noch inoffiziellen, Senioren-Weltmeisterschaft 1992 und 1993 erste Plätze.

Eine Variante von Eisschnelllaufen darf aber hier nicht unerwähnt bleiben: das SHORT TRACK: In Mannheim wurde ja bereits immer auf Kurzbahnen trainiert, zuerst auf einer 133m-Bahn, dann auf 125m. Auf dieser Grundlage wurden dann erfolgreiche Wettbewerbe auf der 400m-Bahn absolviert. Auch auf Kleinbahnen wurden schon große internationale Rennen durchgeführt, meist ohne jeden Bandenschutz, jedoch nie im jetzigen Short-Track-Modus, sondern im Verfolgungsmodus mit gegenüberliegendem Start, und dann auf Zeit.

Als 1981 die Internationale Skating Union das Short-Track-Eisschnelllaufen zur WM-Disziplin machte, wurde das in Mannheim begeistert aufgegriffen. Mit der Teilnahme an den Open Dutch in Den Haag hatten Läuferinnen und Läufer des Mannheimer ERC K-S erstmals Kontakt mit diesem faszinierenden Sport.

Bereits bei der ersten Short-Track-Weltmeisterschaft nahmen Karl Hager und Gundi Pawasserat teil. Unter der Leitung von Karl Hager fand dann 1983 im LZH in Mannheim die erste Deutsche Meisterschaft im Short Track statt, was bereits mehrfach wiederholt wurde. So findet die nächste Deutsche vom 15. bis 16. März 1997 ebenfalls wieder in Mannheim statt. Gundi Gramminger holte sich dort ihren ersten Meistertitel. Bei den Herren gewann Stefan Klieber aus Mannheim vor Karl Hager. Seit dieser Zeit wurde diese Sportart in Deutschland von Karl Hager entscheidend mit aufgebaut (obwohl von den Verantwortlichen zum Teil noch als Mini-Skating belächelt und nie unterstützt).

Immerhin kann die Mannheimerin Gundi Pawasserat mittlerweile neun Deutsche Meistertitel vorzeigen, während Jörg Wagner diesen Titel viermal errungen hat. Auch bei den ersten deutschen Junioren-Meisterschaften wurden durch Swetlana Prislegina und Torsten Back die Juniorenmeister der B-Klasse nach Mannheim geholt. Torsten Back konnte dann 1997 auch den Deutschen Meistertitel erringen.

Renate Rauch, Dezember 1997

 

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