Sportlerin des Jahres 1999 - Gundi Pawasserat

Wenn der Titel 'Sportlerin des Jahres 1999' im Rahmen der Mitgliederversammlung  des Eissportverbandes Baden-Württemberg im Mai 2000 an Frau Gundi Pawasserat verliehen wird, so geschieht das in erster Linie in Würdigung ihrer sportlichen Leistungen in der Saison 1998/99, aber auch, nicht weniger  wichtig, für ihre hingabevolle Trainingstätigkeiten für unseren Nachwuchs.

Sie wurde im März Deutsche Meisterin 1999 der Altersklasse 35 im LONG TRACK- Eisschnelllaufen. Auf der Hallenbahn des Sportforum Hohenschönhausen gewann sie mit drei Streckensiegen und drei Weltrekorden über 500m in 47,53, über  1500m  in 1:36,05 und über 1000m in 2:30,95. Ihre Leistung wird unterstrichen durch die Tatsache, dass sie die Weltmeisterin dieser Klasse deutlich auf den zweiten Platz verweisen konnte, obwohl sie aus beruflichen Gründen und nicht zuletzt, weil sie daheim unsere Mädchen und Jungen trainierte, nicht zu den grossen Rennen reisen konnte. Der Teilnahme an den Weltmeisterschaften, in Finnlands eisigem Winter, die sie ziemlich sicher gewonnen hätte, standen  finanzielle und zeitliche Probleme entgegen. Bei der diesjährigen Senioren-Weltmeisterschaft im Februar 2000 in Berlin-Hohenschönhausen nahm Gundi jedoch teil und belegte in der Altersklasse 35 den zweiten Platz.

Gundi kam schon mit neun Jahren zum Eisschnelllaufen, startete zuerst für den ERC Ludwigshafen und, ab 1977  für den Mannheimer ERC Kunstlauf und Schnellauf. Bereits in ihrer Ludwigshafener Zeit wurde sie Deutsche Schülermeisterin und das war der Beginn einer beispielhaften Karriere auf den schmalen Kufen. Zu jener Zeit wurden auf dem Mannheimer Eis regelmäßig Trainings- und Pokalrennen sowie Stadtmeisterschaften, immer mit großer Beteiligung aus den benachbarten Vereinen, gelaufen. Zu großen Rennen fuhr man auf die 400m-Bahn nach Inzell und auf die 250m-Bahnen in Basel, Berlin und Zürich und auch da war Gundi immer ganz weit vorne in den Ergebnislisten zu finden. Als 1981 in Paris die ersten offiziellen SHORT TRACK  Weltmeisterschaften ausgetragen wurden, durfte Gundi mit der Startnummer 1 an den Start gehen. Am Ende stand ein guter 18. Platz bei 30 Teilnehmerinnen. Ab dem Zeitpunkt galt das Hauptinteresse dem faszinierenden SHORT TRACK und seit den ersten, in Mannheim ausgetragenen, Deutschen Meisterschaften im Jahr 1983, konnte Gundi den Meisterinnen-Titel neunmal erlaufen, wobei auch die Konkurrenz von Jahr zu Jahr stärker wurde.

Natürlich war sie auch viele Jahre das Rückgrat der Nationalmannschaft, startete bei vielen Länderkämpfen, Europa-Cups und Weltmeisterschaften und belegte immer zuverlässig gute Plätze. Leider gab es in ihrer ganz guten Zeit noch keine Wettbewerbe für die SHORT TRACK er bei den Olympischen Spielen. Als es möglich gewesen wäre, scheiterte die Teilnahme eines deutschen Teams - und damit auch von Gundi - an der Unfähigkeit unserer Funktionäre.

Neben dem SHORT TRACK startete sie aber immer noch bei  jeder Gelegenheit auf der 400m-Bahn, im LONG TRACK  und gewann auch hier einige Deutsche B-Meisterschaften, später einige Senioren-Weltmeisterschaften und regelmäßig die Deutschen Meistertitel in ihrer jeweiligen Altersklasse. Und das alles neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Nachtschwester im Ludwigshafener Klinikum, der Erziehung ihrer 3 Kinder und der bereits erwähnten Tätigkeit für unseren vielversprechenden Nachwuchs im Eisschnelllauf. Nicht vergessen werden darf  hier das riesengroße Verständnis und die Hilfe seitens ihres Ehemannes, ohne den sehr vieles  nicht möglich gewesen wäre.

Und das Erfreulichste: diese Eissportkarriere ist noch lange nicht zu Ende, die herrlichen Wettkämpfe im Seniorenbereich lassen das auch gar nicht zu. Jetzt nennen sich die älteren Semester 'Masters'  und das mit Recht, sind doch gerade sie ein leuchtendes Bespiel und Signal dafür, dass es auch jenseits der Teenies noch Leben und Sport gibt, den wahren Sport.

Karl Hager

 

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