(06.02.2003) Doppelten Grund zum Feiern hatte der Mannheimer ERC: Die
Shooting Stars zelebrierten ihren zehnten Geburtstag, wurden für die
Teilnahme an der Formations-WM von Präsident Dr. Thomas Bienert mit der
silbernen Ehrennadel ausgezeichnet und vom Präsident des
Baden-Württembergischen Eissportverbandes Lutz Pauels mit einem
Finanzzuschuss bedacht. Eiskunstläuferin Katharina Häcker feierte mit
Gold beim Europäischen olympischen Jugendfestival im slowenischen Bled
den vorläufigen Höhepunkt ihrer ebenfalls zehnjährigen Eiskarriere
und wurde mit Kollegin Denise Zimmermann (Geldspritze, silberne
Ehrennadel) und Trainer Peter Sczypa (silberne Ehrennadel) von Bienert
und Pauels geehrt. Wir sprachen mit der 16-jährigen Zehntklässlerin
und ihrem Coach.
Nach der deutschen Meisterschaft 2002 warst du entweder verletzt oder
außer Form. Wie hast Du das verkraftet?
KATHARINA HÄCKER: Ich habe zeitweise schon an mir gezweifelt, aber
meine Familie und mein Freund haben mir seelischen Beistand geleistet.
Außerdem wollte ich nicht so sang- und klanglos verschwinden und habe
nach den Gründen für das Formtief gesucht.
Und auch gefunden?
HÄCKER: Ja. Ein paar Kilo zuviel. Mein Trainer hatte es mir schon
länger gesagt, aber ich glaubte ihm nicht.
PETER SCZYPA: Wissend um Probleme wie Magersucht und Bulimie habe ich
Katharina nie unter Druck gesetzt, sondern, als wir mit Denise und
Christiane Berger für einige Wochen in Oberstdorf waren, ein Buch über
Trennkost zu lesen gegeben. Das hat gewirkt.
Bei der DM 2003 warst Du etwas enttäuscht, dass du "nur"
Zweite wurdest. Wie siehst Du diesen Platz jetzt?
HÄCKER: Im Nachhinein bin ich sehr froh. Denn sonst wäre ich nicht
nach Bled gefahren und hätte kein Gold gewonnen.
Du hast im Kurzprogramm und in der Kür gesiegt. Hast Du die
Wettkämpfe als einzigen Höhepunkt erlebt oder auch kämpfen müssen?
HÄCKER: Ich musste sehr kämpfen, denn ich hatte mir einen Tag vor
der Abreise den Fuß verknackst, was aber mein Physiotherapeut und der
Mannschaftsarzt in Bled in Ordnung brachten. In der Kür musste ich dann
nach der favorisierten Schwedin Lina Johansson aufs Eis, die sehr gut
lief. Als ich beim dreifachen Rittberger stürzte, wusste ich, dass ich
ihn nochmal springen musste - und baute das Programm um.
SCZYPA: Darin ist sie sehr routiniert. Sie ersetzte erst den
dreifachen Salchow durch den Rittberger und zeigte dann am Ende direkt
hintereinander den Salchow und den Doppelaxel. Das hat die Übung sogar
noch wertvoller gemacht.
Schon vor zwei Jahren hast Du die Olympischen Winterspiele 2006 zu
deinem Ziel erklärt. Hast Du in Bled einen Vorgeschmack erhalten?
HÄCKER: Ja, es war alles wie bei Olympia organisiert. Mit
Eröffnungs- und Schlussveranstaltung, Feuer aus Griechenland,
Flaggenübergabe, olympischem Dorf. Außerdem durfte ich beim Einmarsch
die deutsche Fahne tragen.
Was hat Dich besonders beeindruckt?
HÄCKER: Dass alle Wintersportler zusammen waren. Ich habe mit einer
Biathletin im Zimmer gewohnt und wir haben immer alle gemeinsam
gegessen. Da spürte man den olympischen Geist.
Wann hast Du erfahren, dass Du, wenn Du bei der JWM Sechste wirst,
auch zur WM der Senioren nach Washington darfst?
HÄCKER: Am Tag zwischen Kurzkür und Kür. Jeder wollte es zwar vor
mir geheim halten, aber ich habe es am Telefon aus meiner Mutter
herausgepresst. Das hat mich dann zusätzlich motiviert.
Wie ist das realistische Ziel für die JWM?
HÄCKER: Schon so um den sechsten Platz. Dazu muss ich aber sehr
sauber laufen.
SCZYPA: Das Minimalziel ist ein Rang unter den ersten Zehn, um für
nächstes Jahr zwei deutsche Startplätze zu sichern - für Christiane
und Denise!
Spekulieren wir, es klappt mit der WM: Was ist dort erreichbar?
HÄCKER: Ich möchte ins Finale der besten 24. Dafür muss ich mich
zuerst über eine Kür und dann über ein Kurzprogramm qualifizieren.
Ansonsten will ich von den Stars lernen.
SCZYPA: Das Finale. Und wenn es ganz gut läuft, wird sie 17. oder
18. Das wäre dann in Europa Platz zehn.
Gibt es schon Pläne für 2004?
SCYPA: Katharina soll sich so schnell wie möglich bei den Senioren
etablieren. Technisch hat sie bei den Junioren nichts mehr verloren und
auch sonst kann sie nur noch von den Großen lernen. Wenn die
Wettkämpfe rum sind, werden wir uns wieder an den dreifachen Axel
machen. Im Herbst sah er schon ganz viel versprechend aus.