Aus dem     
Einfach goldig - nun peilt Katharina die WM an  

EISKUNSTLAUF: Die 16-jährige Mannheimerin landet Coup und springt beim olympischen Jugendfestival aufs oberste Treppchen


Von unserer Mitarbeiterin Sibylle Dornseiff

(30.1.2003) Katharina Häcker hat eine Sensation geschafft. Die 16-jährige Eiskunstläuferin vom Mannheimer ERC hat beim olympischen Jugendfestival im slowenischen Bled Gold gewonnen. Die deutsche Vizemeisterin führte schon nach dem Kurzprogramm das Feld der international starken Konkurrenz an und ließ sich auch in der Kür nicht mehr von Platz eins verdrängen. Die Nervenstärke und die kämpferische Einstellung, mit der sie alle ihre Höchstschwierigkeiten meisterte, haben nun ihr Selbstbewusstsein für die Juniorenwelt- meisterschaften Ende Februar im tschechischen Ostrau gestärkt, wo sie einige ihrer Gegnerinnen wieder treffen wird. Und sollte sie dort ihren sechsten Platz aus dem Jahr 2001 wiederholen oder sogar besser abschneiden, wird sie auch die deutsche Eislaufunion bei den Weltmeisterschaften Ende März in Washington vertreten.

Das allerdings wusste die Mannheimer Gymnasiastin noch nicht, als sie in Bled aufs Eis ging. Dort wollte sie nur so gut wie möglich laufen, was ihr im Kurzprogramm auch mit Bravour gelang. Doch die Konkurrenz lauerte. Also gab Katharina in der Kür alles und schrie laut vor Begeisterung, als ihr erstmals in einem großen Wettbewerb die neue Dreifach-Dreifach-Kombination glückte. Für den Bruchteil einer Sekunde war sie deswegen unkonzentriert und stürzte gleich danach beim dreifachen Rittberger. Doch was dann passierte, ist typisch für die Einstellung und der Nervenstärke der Schülerin der IGM Herzogenried. Denn als die Gefolgschaft ihr größten Konkurrentin, einer Grand-Prix-Finalistin aus Schweden, die Fehllandung Katharinas mit lauten Beifall quittierte, dachte sie sich: "So nicht, jetzt erst recht." Ohne jegliche Irritation lief sie weiter und stellte das Programm noch so um, dass sie den dreifachen Rittberger wiederholen konnte. Diesmal stand sie ihn, Gold war gerettet.

Doch viel Zeit blieb Katharina nicht, den Erfolg zu genießen, denn schon kam die nächste Aufregung. Weil sie beim Schaulaufen der Meister weder ihre Kür- noch ihre Kurzprogramm-Musik verwenden darf, liefen nun die Drähte in die Heimat heiß. In Kooperation mit Mutter Häcker überspielte MERC-Fachwartin Elke Treitz dank moderner elektronischer Möglichkeiten eine andere Musik nach Bled, in der Hoffnung, dass dort jemand in der Lage ist, eine CD zu brennen. Am Freitag werden Katharina und ihr Trainer Peter Sczypa in Mannheim zurück erwartet, am Sonntag soll sie beim zehnten Geburtstag der MERC-Formation Shooting Stars gebührend empfangen werden. Bis dahin hat sie sicherlich auch die Eindrücke der Tage aus Bled verarbeitet, bei denen junge Wintersportler aller Disziplinen aus 41 Nationen vorolympischen Geist einatmen sollten. IOC-Präsident Jacques Rogge höchstpersönlich hat diesen Wettbewerb ins Leben gerufen und war auch selbst bei der feierlichen Eröffnungsveranstaltung anwesend, bei der Katharina die Fahne der deutschen Delegation trug. Zu recht wie sich bisher erweist, denn als Einzige gewann sie bislang - die Spiele dauern noch bis Freitag - eine Medaille. Allerdings haben auch ihre Eiskunstlaufgefährten im Paarlauf, im Eistanz und bei den Jungs noch Chancen...

Fotos aus Bled
Herzlichen Dank an 
Peter Sczypa und Norbert Schied
für die Fotos


Katharina Häcker trägt die Deutsche Fahne
beim Einmarsch der Nationen



Katharina Häcker, Germany

 

Silber:
Lina JOHANSSON
SWE
Gold:
Katharina HÄCKER
GER
Bronze:
Viktória PAVUK
HUN

 

 

© Mannheimer Morgen   –   30.01.2003

 
 
 
Der dreifache Axel kann noch warten  
INTERVIEW: Katharina Häcker und ihr Trainer Peter Sczypa haben die WM in Washington im Auge

Von unserer Mitarbeiterin Sibylle Dornseiff

(06.02.2003) Doppelten Grund zum Feiern hatte der Mannheimer ERC: Die Shooting Stars zelebrierten ihren zehnten Geburtstag, wurden für die Teilnahme an der Formations-WM von Präsident Dr. Thomas Bienert mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet und vom Präsident des Baden-Württembergischen Eissportverbandes Lutz Pauels mit einem Finanzzuschuss bedacht. Eiskunstläuferin Katharina Häcker feierte mit Gold beim Europäischen olympischen Jugendfestival im slowenischen Bled den vorläufigen Höhepunkt ihrer ebenfalls zehnjährigen Eiskarriere und wurde mit Kollegin Denise Zimmermann (Geldspritze, silberne Ehrennadel) und Trainer Peter Sczypa (silberne Ehrennadel) von Bienert und Pauels geehrt. Wir sprachen mit der 16-jährigen Zehntklässlerin und ihrem Coach.

Nach der deutschen Meisterschaft 2002 warst du entweder verletzt oder außer Form. Wie hast Du das verkraftet?

KATHARINA HÄCKER: Ich habe zeitweise schon an mir gezweifelt, aber meine Familie und mein Freund haben mir seelischen Beistand geleistet. Außerdem wollte ich nicht so sang- und klanglos verschwinden und habe nach den Gründen für das Formtief gesucht.

Und auch gefunden?

HÄCKER: Ja. Ein paar Kilo zuviel. Mein Trainer hatte es mir schon länger gesagt, aber ich glaubte ihm nicht.

PETER SCZYPA: Wissend um Probleme wie Magersucht und Bulimie habe ich Katharina nie unter Druck gesetzt, sondern, als wir mit Denise und Christiane Berger für einige Wochen in Oberstdorf waren, ein Buch über Trennkost zu lesen gegeben. Das hat gewirkt.

Bei der DM 2003 warst Du etwas enttäuscht, dass du "nur" Zweite wurdest. Wie siehst Du diesen Platz jetzt?

HÄCKER: Im Nachhinein bin ich sehr froh. Denn sonst wäre ich nicht nach Bled gefahren und hätte kein Gold gewonnen.

Du hast im Kurzprogramm und in der Kür gesiegt. Hast Du die Wettkämpfe als einzigen Höhepunkt erlebt oder auch kämpfen müssen?

HÄCKER: Ich musste sehr kämpfen, denn ich hatte mir einen Tag vor der Abreise den Fuß verknackst, was aber mein Physiotherapeut und der Mannschaftsarzt in Bled in Ordnung brachten. In der Kür musste ich dann nach der favorisierten Schwedin Lina Johansson aufs Eis, die sehr gut lief. Als ich beim dreifachen Rittberger stürzte, wusste ich, dass ich ihn nochmal springen musste - und baute das Programm um.

SCZYPA: Darin ist sie sehr routiniert. Sie ersetzte erst den dreifachen Salchow durch den Rittberger und zeigte dann am Ende direkt hintereinander den Salchow und den Doppelaxel. Das hat die Übung sogar noch wertvoller gemacht.

Schon vor zwei Jahren hast Du die Olympischen Winterspiele 2006 zu deinem Ziel erklärt. Hast Du in Bled einen Vorgeschmack erhalten?

HÄCKER: Ja, es war alles wie bei Olympia organisiert. Mit Eröffnungs- und Schlussveranstaltung, Feuer aus Griechenland, Flaggenübergabe, olympischem Dorf. Außerdem durfte ich beim Einmarsch die deutsche Fahne tragen.

Was hat Dich besonders beeindruckt?

HÄCKER: Dass alle Wintersportler zusammen waren. Ich habe mit einer Biathletin im Zimmer gewohnt und wir haben immer alle gemeinsam gegessen. Da spürte man den olympischen Geist.

Wann hast Du erfahren, dass Du, wenn Du bei der JWM Sechste wirst, auch zur WM der Senioren nach Washington darfst?

HÄCKER: Am Tag zwischen Kurzkür und Kür. Jeder wollte es zwar vor mir geheim halten, aber ich habe es am Telefon aus meiner Mutter herausgepresst. Das hat mich dann zusätzlich motiviert.

Wie ist das realistische Ziel für die JWM?

HÄCKER: Schon so um den sechsten Platz. Dazu muss ich aber sehr sauber laufen.

SCZYPA: Das Minimalziel ist ein Rang unter den ersten Zehn, um für nächstes Jahr zwei deutsche Startplätze zu sichern - für Christiane und Denise!

Spekulieren wir, es klappt mit der WM: Was ist dort erreichbar?

HÄCKER: Ich möchte ins Finale der besten 24. Dafür muss ich mich zuerst über eine Kür und dann über ein Kurzprogramm qualifizieren. Ansonsten will ich von den Stars lernen.

SCZYPA: Das Finale. Und wenn es ganz gut läuft, wird sie 17. oder 18. Das wäre dann in Europa Platz zehn.

Gibt es schon Pläne für 2004?

SCYPA: Katharina soll sich so schnell wie möglich bei den Senioren etablieren. Technisch hat sie bei den Junioren nichts mehr verloren und auch sonst kann sie nur noch von den Großen lernen. Wenn die Wettkämpfe rum sind, werden wir uns wieder an den dreifachen Axel machen. Im Herbst sah er schon ganz viel versprechend aus.


Das Team bei der Eröffnungsfeier

 

 

 


Norbert Schied, Katharina Häcker
Peter Sczypa und Georg Kemper

 

 

 


Norbert Schied und Katharina Häcker

 

 

 


Katharina und Trainer Peter Sczypa

 

 

 

 


Katharina und Trainer Peter Sczypa

 

 

 

 


... und das Maskottchen

 

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