Die Shooting Stars des Mannheimer ERC haben sich einen Traum erfüllt.
Vor Jahresfrist noch sah die Synchronformation die Teilnahme an
Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften als ein Fernziel, früher als erwartet
hat sich der Wunsch erfüllt. Als Überraschungszweite der deutschen
Meisterschaften machten sie sich auf zu den Welttitelkämpfen im französischen
Rouen und waren auf die Minute topfit. Mit ihrer besten Saisonleistung
überzeugten die Neulinge im Kreis der 24 weltbesten Teams die
internationale Jury, kamen mit guten Noten zwischen 4,2 und 4,5 auf
einen hervorragenden 16. Platz und ernteten Lob von allen Seiten.
Nicht nur wegen ihrer enormen Fortschritte, sondern auch, weil die
Mannheimer Crew zu den fünf einzigen Formationen gehörten, die
fehlerlos blieben. Die frühe Anreise und ein intensives Training in
Rouen stärkte den Teamgeist, die guten Leistungen in den Probedurchgängen
ließen das Stimmungsbarometer von Tag zu Tag steigen. Als auch das
Kurzprogramm auf Musik aus dem Film "Die Mumie" makellos
ablief, machte sich sogar Enthusiasmus breit. Während die zum weiteren
Favoritenkreis gehörenden Formationen dann in der Kür reihenweise
patzten, behielten die Shooting Stars eiskalt die Nerven, steigerten
inmitten der Partylaune von 2500 begeisterten Zuschauern zur Musik
"The Rock" ihre Leistung nochmals und freuten sich riesig über
ihren Erfolg bei der Premiere.
Bei dieser Einschätzung zählt nicht so sehr der Platz, als vielmehr
der gar nicht große Abstand zu den weiter vorne platzierten
Konkurrenten. "Das war ein perfekter Auftritt", gratulierte
MERC-Präsident Dr. Thomas Bienert der Formation, den Trainern Peter
Rittmann, Gudrun und Walter Häfner, sowie dem italienischen
Choreografen Andrea Gilardi. Der Vereinsboss hatte die lange Reise
mitgemacht und wurde Zeuge einer "fantastischen Veranstaltung.
Eiskunstlaufmeisterschaften laufen sonst eher kühl ab, hier herrschte
von Anfang Partystimmung, fast schon Eishockey-Atmosphäre. Die Fans
feuerten ihre Mannschaften mit eigenen Songs an, zur Unterstützung
aller swingte und tanzte die ganze Halle."
Aber Bienert verkennt auch nicht den sportlichen Wert des ersten
internationalen Wettbewerbs auf Weltklasse-Niveau. "Allein schon zu
sehen, wie die Topfavoriten zur Anfangsformation auf das Eis laufen und
welche Haltung sie die ganze Zeit über einnehmen war mehr als
lehrreich", machten die Mannheimer wertvolle Erfahrungen. Dazu war
die WM auch so etwas wie eine Ideenbörse, erhielten Trainer und
Choreograf für die Weiterarbeit viele Impulse. Die lieferten vor allem
der neue Weltmeister Finnland, der den zweimaligen Titelträger Schweden
auf Platz zwei und Canada auf Rang drei verwies. Choreograf Gilardis
italienische Meister-Formation wurde 13.
Ein einziger Wermutstropfen trübte den Mannheimer Jubel, denn der
als Deutschland I gestartete deutsche Meister Berlin fiel auf Grund
einer Sturzserie in der Kür noch vom sechsten auf den achten Platz zurück
und verlor damit den fünften Nationenrang. Doch der wäre
ausschlaggebend gewesen, dass Deutschland auch im nächsten Jahr zwei
Teams zur WM schicken darf. Aber die Trauer der Shooting Stars wich ganz
schnell neuen ehrgeizigen Plänen: "Dann werden nächstes Jahr eben
wir deutscher Meister." Die Trainer werden diese Motivation jetzt
ausnutzen: "Mit den Vereinsmeisterschaften am Wochenende endet die
Saison, für die Shooting Stars kann die neue am Montag beginnen",
stellt Bienert in Aussicht.
WM-Ergebnisse: 1. Finnland; 2. Schweden I, 3. Canada I, 4. USA I, 5.
Canada II, 6. Finnland II, 7. Russland, 8. Deutschland I (Berlin), 10.
Japan, 11. Frankreich, 12. Tschechische Republik, 13. Italien, 14.
Schweiz, 15. Schweden II, 16. Mannheimer ERC (Deutschland II), 17. Großbritannien,
18. Estland, 19. Australien, 20. Kroatien, 21. Niederlande, 22. Ungarn,
23. Island, 24. Belgien. sd